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Darius Milhaud (1892–1974): La Cheminée du Roi René
Milhaud schrieb diese Suite von sieben Sätzen für den ersten Teil des Films Cavalcade d'Amour. Es geht um Bänkelsänger und Liebe, die Zeit ist das 15. Jahrhundert am Hof des Königs René in der Provence. König René, der bei seinen Untertanen überaus beliebt war, hatte einen windgeschützten und sonnigen Lieblingsort in Aix en Provence, den er täglich aufsuchte. Heute heisst dieser Platz Cheminée du Roi René.

I. Cortège (Umzug), II. Aubade (Morgenständchen), III. Jongleurs, IV. La Maousinglade (Name der Landschaft in der Provence, wo Milhauds Haus stand), V. Joutes sur l'Arc (Lanzenturnier an der Arc, einem kleinen Fluss bei Aix-en-Provence, wo Cézanne seine Badenden malte), VI. Chasse à Valabre (Jagd bei Valabre, einem kleinen alten Schloss, wo König René seine Feste zur Jagd feierte), VII. Madrigal - Nocturne.

Im Französischen gibt es den Ausdruck „se chauffer à la cheminée du roi René", was so viel heisst wie „sich in der Sonne räkeln".



Francis Poulenc (1899–1963): Sextett für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn
Das Sextett ist Poulencs erstes größeres Kammermusikwerk mit Bläsern. Im Gesamtschaffen nimmt das Werk eine Schlüsselstellung ein, weil es Poulencs kompositorisches Prinzip der Satzbausteine ausgereift vorführt und damit Modellcharakter angenommen hat. Modellhaft sind auch die hohen technischen Anforderungen an die Bläser. Zugleich beweisen die extrem virtuos angelegten Partien, mit welcher Meisterschaft und Raffinesse des Komponierens die einzigartigen psychologischen Reizwirkungen erzielt werden. Erster Satz: Nach einem frechen Werkeinstieg beginnt ein furioses Konzertieren aller Beteiligten, das sich zu einem fröhlichen Wechselspiel der einzelnen lnstrumente entwickelt. Eine Fagottkadenz bewirkt einen abrupten Stimmungs- und Tempowechsel: Das Klavier stimmt eine ernste Melodie an, die nach und nach von allen Instrumenten übernommen wird. Nachdem sich dieser eindrucksvolle, langsame «Satz im Satz« bis zu einem bedrohlich wirkenden Fortissimo-Hornsignal gesteigert hat, folgt ein langgestrecktes Diminuendo, das allmählich mit stockenden Einzeltönen erstirbt. Aber trotzig wiederholt sich das wilde, quirlig variierte Musizieren aus dem Anfangsteil, damit den Rest des Satzes beherrschend. Zweiter Satz: In Umkehrung der Werkarchitektur des Eröffnungssatzes wird ein besinnlich-lyrisches Andante durch einen heiteren, schnellen Mittelteil unterbrochen, um sich schließlich fast unmerklich mit gleitender Verlangsamung des Tempos in die Stimmung des Satzanfangs zurückzuversetzen. Dritter Satz: Mit einer Harlekinade sondergleichen läßt der Komponist sein Opus ausklingen. Hier werden rhythmische Purzelbäume geschlagen und Gassenhauer-Melodien angestimmt. Und noch einmal erinnert ein langsamer Schlußteil mit trauriger, fast wehmütiger Klage, daß alle Fröhlichkeit nur eine Vision gewesen ist. Die Kunst ist eben doch nicht so unbeschwert und heiter, wie sie es hier oft vorgegaukelt hat (aus Harenberg: Kammermusikführer).

I. Allegro vivace II. Divertissement III. Finale



Jacques Ibert (1890–1962): Trois Pièces Brèves
Ibert absolvierte sein Musikstudium am Pariser Conservatoire. Zu seinen Hauptwerken zählen Escales für Orchester, Histoires für Klavier, ebenso ein Flötenkonzert, die Oper Angélique und das Ballet Le Chevalier Errant. Ganz im Stil der französisch eleganten, melodiösen und virtuosen Bläsermusik geschrieben ist das Quintett Trois Pièces Brèves.

I. Allegro II. Andante III. Assez lent - Allegro scherzando - Vivo - Tempo Primo - Vivo



Jean Françaix (1912–1997): L'heure du Berger
Als Jean Françaix seine eigenen kompositorischen Studien bei der berühmten Nadia Boulanger in Paris begann, war er 1930 bereits am Conservatoire in der Klavierklasse von Isidore Philipp mit einem ersten Preis ausgezeichnet worden. Längst hatte er sich intensiv und analytisch mit den Werken von Mozart, Schubert, Chabrier, Ravel und Strawinsky auseinandergesetzt und sie zu Leitbildern erhoben. Diese stilistische Vielseitigkeit setzte er unmittelbar in schöpferische Eigentätigkeit um. Mit Erfolg: Es gibt kein Instrument und kaum eine Besetzungsvariante, die er nicht mit raffiniertester, oft spitzbübisch schmunzelnder Delikatesse zu offerieren versteht. Selbst die außergewöhnlichsten Klangkombinationen sind ein Qualitätsmerkmal von Françaix. Mit dieser kreativen Begabung gehört er neben Francis Poulenc zu jenen Repräsentanten der französischen Musik des 20. Jahrhunderts, deren Modernität zu einer charmanten Heiterkeit fähig ist und die von jedem Hörer ohne musiktheoretisches Fachwissen verstanden werden kann. Beispielhaft ist seine Kunst, in alle bewegten Satzteile mitreißenden Schwung hineinzuzaubern. Die häufige Komik seiner Themen, deren oft virtuos-verrückte Intervalle heitere Purzelbäume schlagen, und eine bewußt irritierende Freude an »falschen« Modulationen und Kadenzierungen machen jedes Zuhören zur vergnüglichen Überraschung.

I. Les Vieux Beaux II. Pin-up Girls III. Les petits nerveux



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