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Carl Heinrich Carsten Reinecke wurde am 23. Juni 1824 in Altona geboren, wo er anfänglich von seinem Vater musiktheoretisch, pianistisch und als Geiger ausgebildet werden konnte, ohne eine öffentliche Schule besuchen zu müssen. Mit 19 Jahren begann er seine Karriere als ausübender Musiker, indem er in Kiel den Violinvirtuosen Heinrich Wilhelm Ernst begleitete. 22jährig wurde er anlässlich einer Konzertreise nach Kopenhagen, wo er mit dem Komponisten und Dirigenten Niels W. Gade Freundschaft schloss, zum Hofpianisten ernannt.

Nach einem von Liszt vermittelten Aufenthalt in Paris unterrichtete Reinecke von 1851 an am Kölner Konservatorium, pflegte freundschaftlichen Kontakt zu Ferdinand Hiller und zu Schumann und widmete sich der Entfaltung seines kompositorischen Schaffens, das hautpsächlich von Breitkopf & Härtel in Leipzig gefördert wurde.

Nachdem Reinecke als Leiter der Singakademie und als Professor an der Universität von Breslau gewirkt und als Pianist halb Europa durchquert hatte, folgte er 1860 einer Berufung nach Leipzig. Dort amtierte er als Dirigent der berühmten Gewandhauskonzerte und als angesehener Kompositions- und Kla- vierlehrer am Konservatorium. Unter seinen Schülern findet man Angehörige der verschiedensten Nationen und Stilrichtungen. Nicht nur Isaac Albeniz, Edvard Grieg und Christian Sinding haben bei ihm studiert, sondern auch Leo? Janá?ek, der schweizerische Spätromantiker Hans Huber und der Komponist und Dirigent Felix Weingartner. Als der 1884 mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnete Musiker am 10. März 1910 in Leipzig starb, verlor das deutsche Konzertleben eine seiner anregendsten und bis zur späten Pensionierung (1902) einflussreichsten Gestalten.

Das der Musikschule Giuseppe Tartini in Triest gewidmete Trio op. 274 vereinigt als letztes grosses Kammermusikwerk alle Vorzuge von Reineckes reifem Spätstil aus der Zeit um 1905. So sehr das Klavier im Vordergrund steht, enthalten die nicht weniger wirkungsvoll geschriebenen Bläserstimmen eine differenzierte Sangbarkeit, die selbst im kraftvollen Scherzo mit einfallsreich modulierenden Trios nicht zu kurz kommt. Kurze Umfärbungen von Dur-Akkorden in Mollklängc im Hauptsatz und volksliedhaft schlichte Wendungen im romanzenartigen Andante verleihen dem mit einem rhythmisch prägnanten, viertaktigen Motiv einsetzenden und endenden Werk eine typisch romantische Klanglichkeit.



Franz Berwald wurde in eine schwedische Musikerfamilie deutscher Herkunft geboren. Er nahm bei seinem Vater Violinstunden und studierte möglicherweise Komposition bei Édouard Dupuy. 1812-28 war er mit zwei Unterbrechungen Violinist (später Violist) in der Hofkapelle am Königlichen Theater.

Die meisten frühen Kompositionen Berwalds sind verloren oder von ihm selbst zerstört. Sie stießen in Schweden wegen ihrer kühnen Harmonien auf Ablehnung. Nach weiteren Enttäuschungen in der Heimat (1822 wurde nach dem Tod Dupuys sein Vetter Johan Fredrik Nachfolger als Hofkapellmeister) ging Berwald 1829 nach Berlin. Dort widmete er sich orthopädischen Behandlungen, die er den Armen sogar kostenlos zukommen ließ, und gründete 1835 ein eigenes orthopädisches Institut. 1841 reiste er nach Wien, wo er seine Berliner Mitarbeiterin Mathilde Scherer heiratete und seine bedeutendsten Werke zu schreiben begann, die vier Sinfonien und die sinfonischen Dichtungen.

1842 nach Stockholm zurückgekehrt, erlebte er erneut die Ablehnung der konservativen schwedischen Musikwelt (eine Ablehnung, die gegenseitig war und durch Berwalds oft arrogantes Wesen nicht gemindert wurde). Die Sinfonie sérieuse, die einzige seiner Sinfonien, die er zu seinen Lebzeiten hörte, erklang in einer miserablen Aufführung unter seinem Vetter Johan Fredrik. 1846-49 reiste Berwald wieder durch Europa, hatte zwar in Paris keinen Erfolg, wurde jedoch 1847 Ehrenmitglied des Salzburger Mozarteums.

Nach seiner Rückkehr nach Schweden 1849 wurde Berwald erneut bei der Besetzung zweier wichtiger Stellen übergangen. Weder wurde er Nachfolger seines Vetters als Dirigent der Königlichen Oper in Stockholm, noch Musikdirektor an der Universität Uppsala. So leitete er ab 1850 eine Glasfabrik, später auch eine Sägemühle, in Sandö im Ångermanland in Nordschweden. Erst 1864 wurde er Mitglied der Königlichen Musikakademie. Dort erhielt er endlich 1867 unter größten Widerständen eine Kompositionsprofessur, doch starb er bereits im folgenden Jahr. Viele bedeutende Musiker setzten sich zu seinen Lebzeiten und danach für Berwalds bemerkenswerte Kompositionen ein, doch hat er bis heute noch nicht die ihm gebührende Stellung in der Musikgeschichte eingenommen.

Quartett für Klavier und Bläser in Es-Dur

Das Quartett in Es-Dur für Klarinette, Fagott, Horn und Klavier schrieb Berwald 1819 nach dem (ersten?) Septett und den ersten zwei Streichquartetten. Beethoven, Spohr und Weber sind als Vorbilder offenkundig, ohne die Fantasie des 23jährigen zu behindern. Der sonatenförmige erste Satz, Allegro ma non troppo, dem eine kurze Adagio-Einleitung vorausgeht, gipfelt in einer dramatischen Durchführung. Schon die ersten Takte des Allegro sind in der engmaschig filigranen Imitationsweise von unverkennbarer Eigenart. Die Klavierkaskade, die zur Reprise zurückführt, ist von auffallend Beethovenschem Impetuoso, wie auch das Fugato im Schlußsatz. Der zweite Satz, ein liedartiges, klar gegliedertes kleines Adagio, hat einleitende Funktion zum finalen Allegro. Viel Beethoven-naher Humor funkelt aus den oft kapriziösen Simplizismen und feinsinnigen Banalitäten.



Louis Spohr wurde am 5. April 1784 geboren und stammte aus einer wohlhabenden, die Musik pflegenden Familie. Sein Vater, ein Arzt, spielte Flöte und seine Mutter sang und spielte Klavier als begabte Dilettantin. Schon in seiner frühen Kindheit zeigte Ludwig ein ausgesprochenes Talent zum Geigenspiel. Bereits mit fünf Jahren erhielt er den ersten Geigenunterricht bei J.A.Riemenschneider und bei Dufour - einem emigrierten französischen Protestanten). Sehr früh übte er sich ebenfalls im Komponieren. Da Ludwig in verschiedenen künstlerischen Bereichen begabt war, was zur Zeit dar Romantik kein isolierter Fall ist, zögerte er zunächst in der Wahl seiner künftigen Laufbahn: sollte er sein Leben der Malerei widmen oder Musiker werden?
 
Schon mit 15 Jahren wurde L. Spohr Mitglied der Braunschweiger Hofkapelle bei Herzog Carl Wilhelm Ferdinand und setzte dann sein Studium bei dem Geigenvirtuosen Franz Eck fort; dieser nahm ihn nach Russland mit, wo Spohr Clementi und Field kennenlernte. Nach seiner Rückkehr wurde Ludwig Schüler von Pierre Rode; in diesem Lehrer fand er sein großes Vorbild auf dem Gebiet der Instrumentaltechnik. Von nun an galt er als der beste deutsche Geigenvirtuose.

Spohr begann mit der Komposition des Quintetts in C moll op. 52 im Sommer 1820 in London. Seine Frau Dorette hatte gerade von der Doppelpedalharfe zum Klavier gewechselt, und Spohr schrieb das Quintett für ihre Konzerte. Dorette führte das Werk im November in Frankfurt erfolgreich auf. Das Quintett beginnt feierlich in c-Moll, das Klavier bringt mit dem Seitenthema in Es-Dur eine spielfreudige Stimmung ein. Nach der modulierenden Durchführung folgt die Reprise, die in C-Dur schliesst.
Der zweite Satz ist ein Larghetto in As Dur, dreiteilig im Rhythmus (3/8 und 9/16) und in der Form (ABA).
Es folgt ein romantisches, synkopiertes und chromatisches Menuett mit einem unbeschwert fröhlichen, praktisch solistischen Klavier im Trio.
Das Finale ist wie der erste Satz in der Sonatenhauptsatzform, aber schneller im Tempo als dieser und unbändiger im Ausdruck.

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